Massing. Es ist eines jener Feste im Freilichtmuseum Massing, bei denen Vergangenheit für ein paar Stunden wieder lebendig wird.
Am kommenden Sonntag, 6. September, dreht sich beim traditionellen Hopfenfest alles um das „grüne Gold“ – und vor allem um jene Menschen, die seine Ernte über viele Jahrzehnte mit ihren Händen bewältigten.
Gemeinsam mit dem Heimat- und Trachtenverein Herrenau lädt das Freilichtmuseum zu einem Tag ein, der Brauchtum, Geselligkeit und ein gutes Stück niederbayerischer Geschichte miteinander verbindet. Höhepunkt ist gegen 12 Uhr der Auszug der Hopfenzupfer. Begleitet von Blasmusik geht es vom Lehnerhof hinaus zum museumseigenen Hopfenfeld. Dort holt zunächst der „Stangler“ die Reben von den Drähten, anschließend beginnt das Zupfen. Und Zuschauen allein ist ausdrücklich nicht vorgeschrieben: Wer möchte, darf selbst Hand anlegen und ausprobieren, wie mühsam sich ein Metzen Hopfen füllt. Ein solcher Korb fasst rund 60 Liter.
Was heute nach einer fast romantischen Erinnerung an frühere Zeiten aussieht, war einst harte Arbeit und für viele Menschen zugleich eine wichtige Gelegenheit, sich etwas dazuzuverdienen. Bis in die 1960er Jahre kamen zur Erntezeit Tausende Saisonarbeiter in die großen bayerischen Hopfengebiete, vor allem in die Hallertau. Viele reisten mit der Eisenbahn an, untergebracht wurden die Helfer häufig direkt bei den Hopfenbauern, nicht selten recht einfach in Kammern, Scheunen oder Behelfsunterkünften.
Bezahlt wurde vielfach nicht nach Gewicht, sondern nach der Zahl der gefüllten Metzen. Für jeden vollen Korb wurde die Leistung festgehalten. Erst nach vielen Stunden Zupfarbeit summierte sich daraus der ersehnte Verdienst. Gerade für junge Leute war die Hopfenernte damals dennoch eine willkommene Möglichkeit, sich in einigen Wochen ein zusätzliches Einkommen zu erarbeiten.
Mit dem Einzug der Pflückmaschinen ging diese Epoche Ende der 1960er Jahre weitgehend zu Ende. Im Freilichtmuseum lebt sie am Sonntag noch einmal auf – mit Musik, gemeinsamer Arbeit und jener Geselligkeit, die trotz aller Mühsal immer zur Hopfenernte gehörte. Gerade für Kinder ist es jedes Jahr ein Erlebnis, wenn die langen Reben heruntergeholt werden und sich Groß und Klein gemeinsam über die Hopfendolden hermachen.
Natürlich darf dabei auch der Genuss nicht fehlen. Der Trachtenverein Herrenau sorgt mit Brotzeiten, Kaffee und Kuchen für das leibliche Wohl. Angeboten werden außerdem Produkte rund um den Hopfen, darunter Hopfenschnaps, Hopfenkranzerl und Hopfenreben. Und ein Hopfenfest ohne ein gutes Bier wäre schließlich kaum vorstellbar.
Das Hopfenfest beginnt um 10 Uhr, der Auszug zum Hopfenfeld ist gegen 12 Uhr vorgesehen. Das Freilichtmuseum Massing ist im September von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen acht Euro Eintritt, Kinder haben freien Eintritt.
Bildtext: Früher einmal waren die Kinder sogar als Hilfskräfte beim Hopfenzupfen dabei, heute ist es für sie vor allem eine große Gaudi.
Foto: Freilichtmuseum